Wie geht es weiter

Abitur geschafft, was nun. Der Kleine weiß es genau. Seine Imatrikulationsunterlagen liegen schon bei uns auf dem Tisch. Er wird angewandte Informatik in der nächstgelegenen Großstadt studieren. Wir haben unterschrieben, er ist ja erst 16. Also läuft noch alles über unseren Tisch. Das Studium wird unterstützt von der Firma, bei der er seit einem Jahr regelmäßig arbeitet. Er kann auch während des Studiums dort weiter Geld verdienen, so dass die Finanzierung gesichert ist. Das war seine größte Sorge. Total abhängig zu sein ist für ihn kaum auszuhalten. Diese Lösung ist für ihn perfekt. Im Sommer will er noch den Mathe Vorbereitungskurs belegen. Nun hoffen wir, dass es auch das Richtige für ihn ist. Aber da er selbst das so will, wird es klappen.

Der Lange weiß nicht so recht, wie es weitergehen soll. Seine Bewerbungen im Winter hätten vielleicht Erfolg gehabt, aber die Termine für die Eignungstests hat er abgesagt. An den jeweiligen Terminen waren Klausuren angesetzt und dann kann er nicht andere Termine wahrnehmen.  So ist das mit ihm. Nachholtermine gab es bei einer Stelle nicht und bei der Anderen hat er erst gar nicht nachgefragt. Nun ist er also keinen Schritt weiter. Studium? FSJ? FÖJ? Vielleicht, Weiß nicht. Antworten die ich täglich erhalte. Gestern sagte er, „ich hab mal so einen Studientest gemacht, aber der hat nicht viel geholfen. Die haben geschrieben, dass sie mir nichts empfehlen können. Ich habe zu viele Interessen. Da gab es dann über 1000 Studiengänge. Es fing mit Agrar… an und da hab ich schon aufgehört zu lesen.“ In der Nähe gibt es noch eine FÖJ Stelle, aber da gehört es dann auch dazu Besuchergruppen durch die Natur zu führen. Mit Erklärungen. Fremde Menschen. Eher nicht. Mal sehen, was nun bei all den Möglichkeiten herauskommt.

Bestanden

Der Titel sagt alles. Beide Jungs haben ihr Abitur bestanden. Am Freitag bekamen sie ihre Noten. Der Kleine hat mit 2,5 abgeschlossen und der Lange hat eine 3,0. Es fehlt ihm bloß ein einziger Punkt zur 2,9. Aber in eine mündliche Nachprüfung will er nicht. Er sagt, mündlich kann er sich nicht verbessern und will es auch nicht probieren. Muss er auch nicht. Wir sind so stolz. Bei all den Schwierigkeiten, die die Beiden hatten. Der Lange war nach Meinung seiner Grundschullehrerin nicht geeignet, auf das Gymnasium zu gehen. Aber er hat sich durchgekämpft. Hat alle Hürden gemeistert. In jedem Halbjahreszeugnis stand drin „Versetzung gefährdet“. Aber er hat es immer wieder geschafft. Sein bestes Fach war Englisch. Was er jetzt machen will, weiß er noch nicht.

Der Kleine hat trotz vieler dunkler Zeiten sein Abi auch ohne Probleme bestanden. Er ist erst 16, hat aber einen genauen Plan. Er möchte angewandte Informatik studieren. Seit über einem Jahr macht er ja schon Praktikum in der Firma seines Schwagers. Das gefällt ihm so gut, dass er sich ein Studium vorstellen kann. Im Sommer möchte er noch den Mathekurs an der Uni belegen zu Vorbereitung. Er weiß also ziemlich genau, was er will.

Jetzt haben also tatsächlich alle 5 Kinder ihr Abi in der Tasche. Nächstes Wochenende ist dann noch der Abiball und dann ist die Schulzeit unserer Kinder beendet.

Erledigt

Gestern hat der Kleine seine mündliche Prüfung hinter sich gebracht. Der Lange schon am Dienstag. Beide haben sie bestanden. Ich bin sehr stolz.

Der Lange hatte aber Probleme. Leider war von den versprochenen Erleichterungen nichts eingetroffen. Der Jahrgangsleiter ist wohl doch nur ein Wolf im Schafspelz. Also wieder eine Entäuschung mehr in seinem Schulleben. Aber dennoch hat er sich sich durchgekämpft und es geschafft. Wie schon so oft. Es ist eine große Leistung.

Der Kleine hat in dem Bereich keine Probleme. Er redet gern und Englisch fällt ihm leicht. Dementsprechend gut ist auch das Ergebnis. In zwei Wochen wird dann das Gesamtergebnis bekanntgegeben. Da mache ich mir jetzt aber keine Sorgen mehr. Die Beiden waren nach den schriftlichen Prüfungen sehr entspannt. Dann haben wir es geschafft. 5 Kinder durch das Abitur gebracht. Ihnen die bestmögliche Ausgangsposition für ihr weiteres Leben ermöglicht. Auch für uns ein Grund für Erleichterung und Stolz. Wie es weiter geht, weiß bisher nur der Kleine. Er weiß genau wo und was er studieren will. Der Lange möchte jetzt wohl auch eher ein Studium beginnen, weiß aber noch nicht genau was. Aber nach den Prüfungen ist jetzt Platz im Kopf für solche Gedanken. Wir sind gespannt.

Ängste

Die schriftlichen Prüfungen haben die Beiden hinter sich. Nun folgt nur noch die Mündliche. Das liest sich soweit ganz gut. Doch genau hier beginnt das Problem.

Der Lange mag nicht reden. Und schon gar nicht mit Lehrern, denen er gegenübersitzt. Er ist momentan total blockiert. Spricht kaum, isst wenig und kann sich nicht konzentrieren. Er sagt, er kann nicht lernen. Alles lenkt ihn ab. Das Fenster, sein Kanarienvogel, alles. Auch ein Ortswechsel (anderes Zimmer) bringt nichts. Was kann helfen? Ich schlage ihm vor, dass ich mit dem Jahrgangsleiter spreche. Der Vorschlag wird angenommen.

Ich konnte den Jahrgangsleiter direkt am nächsten Tag erreichen. Er war sehr verständnissvoll. Sein Angebot war, dass der Lange nur seinem Fachlehrer gegenübersitzt (mit dem er gut zurechtkommt). Der Rest der Prüfungskommission sitzt abseits und besteht nur aus den mindestens geforderten zwei zusätzlichen Lehrern, von denen eine noch der Jahrgangsleiter sein wird. Der Lange darf seinen Text ablesen und muss nicht frei sprechen. Und ein weiteres Zugeständniss wird sein, dass der Lange im Raum umhergehen darf und nicht auf seinem Stuhl sitzen bleiben muss. Das macht er zu Hause auch so. Wenn er was zu erzählen hat, läuft er wie ein Tiger im Käfig auf und ab. Nur auf seinem Klavierhocker kann er stundenlang sitzen. Sonst ist er, wenn er mit anderen Menschen im Raum ist, immer in Bewegung. Entweder nur die Finger, oder der ganze Kerl.

Als ich dem Langen von dem Gespräch berichtete, wurde er etwas ruhiger. Er weiß jetzt genau, wie die Prüfung abläuft. Wenn er noch Fragen hat, kann er mit dem Jahrgangsleiter oder dem Fachlehrer Kontakt aufnehmen. Wenn die Angst vor dem Unbekannten etwas gemildert ist, kann er sich hoffentlich wieder konzentrieren und lernen.

Ein Satz, den der Jahrgangsleiter gesagt hat, ist mir besonders im Gedächtniss geblieben: Der Lange sollte uns nicht als als Lehrer sehen, sondern als Trainer, wir wollen doch, dass die Schüler gut bestehen und nicht durchfallen. Ich weiß, dass es sehr viele Gegenbeispiele gibt. Auch meine Kinder haben einige der anderen Exemplare kennenlernen dürfen. Umso mehr habe ich mich über den Satz gefreut, der zeigt, dass es noch Lehrer gibt, denen die Schüler wichtig sind. Unser Langer hat einige der guten Lehrer in seiner Schullaufbahn kennengelernt. Ich wünsche mir, dass jedes Kind das Glück hat, wenigstens einen guten Lehrer an wichtigen Stationen der Schullaufbahn an seiner Seite zu haben.

Große Veränderung

Der Lange hat sich verändert. Äußerlich. Er hat sich entschlossen seine langen Haare abzuschneiden. Radikal. Der abgeschnittene Zopf war 30 cm lang. Den hat er gespendet. Warum er das gemacht hat, weiß keiner. Es kam als WhatsApp Nachricht.“Ich habe mir überlegt, dass ich keine langen Haare mehr möchte.“ Einfach so. Drei Tage später waren wir beim Frisör, bei dem er vor 4 Jahren das erste und letzte Mal war. Er hasst es angefasst zu werden. Aber dort ließ er sich sogar die Haare waschen. Das war eine Premiere.

Nach einer halben Stunde war es vorbei. Bis dahin dienten seine Haare oft als Versteck, wenn er sein Gesicht nicht zeigen wollte. Nun ist er sichtbar. Er sieht deutlich erwachsener aus. Vielleicht hat er es verinnerlicht, das mit baldigem Schulende ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt. Möglich, dass er das so besser verarbeiten kann. Aber das sind nur Spekulationen. Wenn man ihn nach dem Grund fragt, kann er keinen nennen. Vielleicht war ihm die Intensität, die auf die Pflege seiner Haarpracht verwenden musste, jetzt auch einfach nur zu aufwändig.

Die schriftlichen Prüfungen hat er morgen auch hinter sich gebracht. Dann noch eine mündliche und er ist fertig.

Der Kleine hat nur noch die mündliche vor sich. Er ist momentan gut drauf, hat einen Job gefunden, den er bis Studienbeginn ausüben kann. Da fühlt er sich sehr wohl. Es macht ihm viel Spaß. Die Arbeitszeiten entsprechen seinem Naturell. Beginn um 13:00 Uhr. Open End. IT Branche. So hat er ein kleines finanzielles Polster, wenn das Studium beginnt.

Prüfungen

Nun ist es soweit. Der Lange und der Kleine schreiben ihre Abiturprüfungen. Bisher sind beide ganz zufrieden. Der Lange hat Geschichte geschrieben und seine praktische Musikprüfung hinter sich gebracht. Vor den Osterferien schreibt er noch Musik, danach Deutsch und Englisch. Wenn ich daran denke, dass seine Grundschullehrerin ihn nicht auf das Gymnasium schicken wollte, bin ich sehr stolz auf das, was er erreicht hat. Es gab zu keinem Zeitpunkt seiner Zeit auf dem Gymnasium Zweifel, dass er da hin gehört. Er fühlte sich wohl, hatte einige ausgewählte Freunde. Einmal wurde er vor die Tür gesetzt, weil er einen Lehrer, der mit ihm sprach nicht angeschaut hat und nicht antwortete. Es gab keinen Nachteilsausgleich für ihn und trotz ständiger Information der Lehrer gaben diese vor, nicht von seinem Autismus zu wissen. Manchmal kam man sich ver*rscht vor. Aber der Lange ließ sich nicht beirren und ging seinen Weg.

Der Kleine hat Geschichte und Bio geschrieben. Vor den Osterferien ist noch Philosophie dran- sein absolutes Steckenpferd- und nach den Osterferien Deutsch. Er hat sich, trotz seiner psychischen Schwierigkeiten in den letzten Jahren toll entwickelt. In der Zwischenzeit kann er sich am Wochenende mit seinen Freunden treffen, geht auf Geburtstagspartys seiner Freunde und nächtigt manchmal auswärts. Sein Essverhalten hat sich gebessert, obwohl er noch immer vorsichtig isst, weil er oft Verdauungsprobleme hat und bisher niemand die Ursachen kennt. Allein seine Laktoseintoleranz ist bekannt. Momentan versuchen wir es mit gesunder Vollwertkost ohne Zucker und Weizenmehl. Das klappt ganz gut. Nur am Sonntag hatte er wieder Probleme. Er hat Sushi gemacht und dazu gab es eine neue Flasche Soja Sauce. Der einzige Unterschied zu der bisherigen Sorte war, dass diese Flasche ein Konservierungsstoff enthielt. Also habe ich für ihn eine neue Flasche gekauft und achte noch mehr auf die Zutatenliste. Wir tasten uns also heran.

Abivorbereitung

Heute mal ein kurzes Update von uns. Der Lange und der Kleine bereiten sich auf die Abiturprüfungen vor. Montag ist der letzte Schultag und am Mittwoch geht es los. Also nicht ganz soviel Pause. Aber beide gehen ganz souverän mit der Situation um.

In der letzten Woche war in der Schule Mottowoche. Es wurde sich an jedem Tag zu einem Motto verkleidet. Der Lange mag das eigentlich nicht so gerne. Aber er hat tapfer fast jedes Motto mitgemacht. Eines hat ihm aber sogar Spaß gemacht. Es ging um Helden der Kindheit. Der Lange mag Herr der Ringe sehr gerne. Und bei seinen langen blonden Haaren kam nur einer in Frage- Legolas. Er hat sich in dem Kostüm sogar wohlgefühlt.WP_20170315_15_33_58_Pro

Der Kleine mag verkleiden sehr gerne und hat die Woche genossen. Das hat alle nochmal abgelenkt. In der Zwischenzeit sind aber beide doch dabei intensiv zu lernen. Der Lange hat in Musik auch noch eine praktische Prüfung zu absolvieren. Also übt er täglich. Da die Klausuren vorher gut liefen, sind die beiden aber zuversichtlich.

Die dunkelen Zeiten des Kleinen sind momentan auch seltener. Er hat einen Zukunftsplan. Das hilft ihm. Das größte Problem ist momentan aber, dass er viele Lebensmittel nicht verträgt. Also habe ich unsere Ernährung mal komplett umgestellt. Es gibt kein Weizenmehl und auch keinen raffinierten Zucker mehr. Milch haben wir aufgrund seiner Laktoseintoleranz schon gestrichen. Wir praktizieren das jetzt seit drei Wochen. Es läuft sehr gut. Bisher hat er alle Mahlzeiten gut vertragen, sogar der Geliebte isst gerne mit. Unser Langer ist mit dem Essen ja auch nicht ganz so einfach. Aber auch er findet immer etwas, was ihm schmeckt. Ich bin total begeistert. Die besten Ideen finde ich auf dem Blog von Veronika carrotsforclaire. Nun bleibt bloß zu hoffen, dass die Ernährung dem Kleinen auch weiter so gut tut. Und natürlich dass das Abi gut läuft.